22.05.2012 In der Freizeit zur Reifeprüfung
Impulse zur Betriebsentwicklung, Umweltthemen und Ernährungsfragen – mit dieser Bandbreite an Aufgaben haben sich die Schülerinnen des Maturajahrganges 2011/12 der Höheren Bundeslehranstalt für Land- und Ernährungswirtschaft in Linz-Elmberg bei der Erstellung ihrer Diplomarbeiten beschäftigt. Diese Arbeit ersetzt bei der schriftlichen Reife- und Diplomprüfung das Prüfungsgebiet „Projekt“. Das Erstellen einer Diplomarbeit erfolgt ausschließlich in der Freizeit, fordert viel Arbeitseinsatz und Eigeninitiative und ist somit eine ideale Vorbereitung für Studium oder Beruf.
Am Mittwoch, 16. Mai 2012, wurden in Elmberg Diplomarbeiten aus folgenden Bereichen vorgestellt: „Social Farming“, Biogasproduktion, Therapiebauernhof, Leben mit Zöliakie, Biene und Honig, Brainfood, Rezept der Woche, Kräuterpädagogik, Waldlehrpfad, Abfalltrennung
„Social Farming“ – die etwas andere Art der Landwirtschaft
Magdalena Ries aus Linz und Sylvia Göderle aus Asten erstellten ein Konzept zur Modernisierung der Milchviehhaltung am Hof Schlüsslberg, getragen vom OÖ Zivilinvalidenverband. Sie berücksichtigten dabei besonders, wie im Zuge dieser Umstellung Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigung gesichert werden können. Diesen Menschen wird auf dem Betrieb die Möglichkeit geboten, Halt und Sicherheit zu finden und ihren sozialen Horizont zu erweitern. Als Mitarbeiter auf diesem Betrieb haben sie ein vielfältiges Betätigungsfeld und tragen maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg bei.
Mehrfachnutzung von Biomasse
Elisabeth Glechner aus Lohnsburg und Isabella Linsbod aus Pucking wollten wissen, wie sich Biogas und das Co-Produkt CO2 am besten vermarkten lassen. Am Betrieb Linsbod soll die Biogasproduktion ausgeweitet werden. Dabei stellte sich die Frage, ob ein bislang noch wenig populäres Verfahren zur Abtrennung von CO2 aus Biogas rentabel ist. Sie zeigten Absatzmöglichkeiten für dieses Produkt auf, führten Preiskalkulationen durch und kamen letztendlich zum Ergebnis, dass großes Interesse am Markt herrscht, jedoch der höhere Preis nicht akzeptiert wird.
Umplanung zum Therapiebauernhof
Teresa Garstenauer aus Gaflenz und Christine Koll aus Walding machten sich über eine neue Einkommensquelle für den Betrieb Koll Gedanken. Als Hofübernehmerin möchte Christine Koll einen neuen Betriebszweig aufbauen. Ihr Interesse gilt dabei der Tiergestützten Therapie am Bauernhof, die zur Behandlung von Burn-Out-Patienten eingesetzt werden soll. Die Schülerinnen berücksichtigten in ihrem Betriebskonzept weiters den Einsatz von alten und gefährdeten Nutztierrassen und legten natürlich auch besonderen Wert auf die Gesamtrentabilität.
Leben mit Zöliakie
Lena Ratzenböck aus Walding und Christina Wagner aus Gallneukirchen wollten die Außer-Haus-Verpflegungssituation für Zöliakiepatienten verbessern. Gemeinsam mit einer Linzer Pizzeria und einer Diätologin entwickelten sie eine glutenfreie Pizza- und Pastalinie. Beim Zöliakietreffen, das von den Schülerinnen organisiert wurde, konnten die neuen Kreationen gleich verkostet werden. Darüber hinaus erstellten sie einen Ernährungsguide und wiesen auf Bezugsquellen für entsprechende Lebensmittel hin.
„Honig & Biene“
Theresa Kislinger aus St. Roman hatte schon immer einmal vor mit Kindern zu arbeiten und sie entschloss sich, ihre Leidenschaft für die Imkerei damit zu verbinden. Sie plante einen Workshop zum Thema „Honig & Biene“ für Volksschulkinder und entwickelte altersgerechte Unterrichtsmaterialien. Weiters dokumentierte sie den Einfluss verschiedenster Futtermittel auf die Bienengesundheit. Dieser Fütterungsversuch ergab, dass dafür weniger die Art des Futtermittels entscheidend ist, sondern die fachgerechte Verabreichung.
Brainfood verleiht Flügel
Evelyn Hosner aus Andorf und Julia Weinmayr aus Weyer nahmen das aktuelle Schulbuffetangebot an den berufsbildenden höheren Schulen in OÖ unter die Lupe. Dabei stellten sie fest, dass gesunde Produkte nicht immer an erster Stelle stehen. Daraufhin organisierten sie in der HTL Grieskirchen als Pilotschule einen Ernährungsworkshop und optimierten das Angebot des Schulbuffets. Dass eine gesunde und leistungsfördernde Jause nicht mehr kosten muss, bewiesen die betriebswirtschaftlichen Kalkulationen, die Produkte von regionalen Direktvermarktern berücksichtigten.
„Rezept der Woche“
Magdalena Dunzendorfer aus Gallneukirchen und Teresa Ruhdorfer aus Irdning (Steiermark, Bezirk Liezen) beschäftigten sich mit der täglichen Frage „Was koche ich heute?“. Die Antwort auf diese Frage erhalten die KundInnen eines Mühlviertler Supermarktes nun in Form einer Rezeptesammlung. Die Schülerinnen kreierten und kochten 52 saisonale Gerichte, die großteils mit Ab-Hof-Produkten aus der Region zubereitet wurden. Die Rezepte können einzeln oder als Sammelmappe erworben werden. Dies soll den Verkauf regionaler Produkte ankurbeln.
Honig – ein vielfältiges Naturprodukt als Genuss für den Gaumen
Bianca Freudenthaler aus Freistadt und Barbara Pauzenberger aus Weyer wollten das Bewusstsein für das Naturprodukt Honig neu wecken. Dies realisierten sie auf vielfältige Weise. Sie führten einen Sensorikworkshop mit Jugendlichen durch, erstellten eine Betriebserfolgsrechnung für eine Imkerei und entwickelten eine neue Rezeptur für einen Honig-Müsli-Riegel. Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich lohnt, in Honig zu investieren.
Altstoffsammelzentrum
Karin Wagner aus Zell/Pram und Claudia Wöß aus Linz erhoben die Kundenzufriedenheit in einem Innviertler Altstoffsammelzentrum. Dazu führten sie eine Befragung durch, die ihnen unter anderem Einblicke in das Mülltrennverhalten der Bevölkerung gewährte. Es stellte sich heraus, dass noch Aufholbedarf bei der sortenreinen Mülltrennung besteht. Deshalb gestalteten sie eine Infobroschüre mit wichtigen Sammel- und Entsorgungstipps. Weiters soll zukünftig eine übersichtlichere Beschriftung im ASZ zur besseren Orientierung beitragen.
Kräuter mit allen Sinnen erleben
Tanja Humer aus Heiligenberg und Lisa Mair aus Eberstalzell realisierten ein vielfältiges pädagogisches Konzept für Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren zum Themenbereich Kräuter. Für einen „Schule am Bauernhof“-Betrieb planten sie ein komplettes Workshopangebot für diese Altersgruppe. Sie erprobten mit Kindern einer Volksschulklasse den Einsatz der erstellten „Würz- und Wildkräuter“-Materialien in der Praxis. Die speziell für PädagogInnen entwickelte Kräuterbox ermöglicht die optimale Vor- und Nachbereitung dieser Thematik im Unterricht.
Waldlehrpfad – Marketing
Michael Würmer aus Hörsching möchte, dass Social Media auch vor dem Wald nicht Halt machen. Er entwickelte Marketingmaßnahmen für einen bestehenden Waldlehrpfad, um dessen Auslastung zu erhöhen. Ab Juni gibt es z.B. eine Gratis-App für Smartphones, nun steht der Wissensvermittlung mit allen Sinnen wirklich nichts mehr im Weg.
Die Diplomarbeit dient zukünftig als Leitfaden für mögliche Werbemaßnahmen und hält auch Empfehlungen für Pflege-, Reparatur- und Wartungsarbeiten parat.
PR-Team der HLFS Elmberg